Bartlesville – zuhause in Oklahoma

22.09.2017 – Bartlesville im Nordosten Oklahomas war schon immer ein Fixpunkt unserer Reise gewesen. Ich (Thomas) habe hier 2003-04 als Austauschschüler ein Jahr auf der Dewey High School verbracht. Das ist nun 13 Jahre her und seitdem bin ich nicht wieder in Oklahoma gewesen – und so freute ich mich insbesondere auf ein Wiedersehen mit John, meinem Gastvater von damals, und auch einigen anderen Freunden aus der Zeit.

Wir kamen von Norden aus über Kansas nach Oklahoma, der Highway führte direkt mal an der Schule vorbei (hatte sich ganz schön verändert seit ich dort war) und dann ging es nach Bartlesville zu John. Es war super ihn nach all den Jahren wiederzusehen. Wir parkten den Iveco im Garten und hatten natürlich erstmal viel zu erzählen. Insgesamt werden wir ca. anderthalb Wochen bei John bleiben und seine Gesellschaft und die Gegend genießen. John ist ein super Koch und wir werden immer fürstlich bekocht – mit sehr viel mehr Fleisch als gewohnt – genial. Auch wir bringen ein bisschen deutsche Küche mit und bereiten einige deutsche Gerichte zu – u.a. mit Hilfe unserer „Maggie Fix“ aus Deutschland^^

Ein Highlight war auf jeden Fall das Treffen mit zwei alten Kumpels aus der Schule, Cody und Andrew. Wir hatten uns viel zu erzählen – kommt man sich richtig alt vor wenn man so über „die gute alte Zeit“ spricht. Und auch mit Joe, einem Deutsch-Lehrer aus der Dewey High School, haben wir uns getroffen und bei seinem Ferienhaus am Sunset Lake gegrillt.

Bartlesville selbst ist eine kleine Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern, ist aber Hauptquartier einer großen Ölfirma – „Philipps 66“. Die Firma hat die Stadt bekannt gemacht, ihr eine „Skyline“ spendiert (u.a. einen Hochhaus von Frank Lloyd Wright) und gefühlt arbeitet jeder in der Stadt bei der Firma (auch Andrew und Cody).

Der Gründer der Firma hat sich außerhalb der Stadt seinen Westerntraum erfüllt: „Woolaroc“ – eine Ranch gekauft, jede Menge (auch exotische) Tiere draufgesetzt, das Land zum Idealbild umgestaltet und eine große Sammlung von „Western-Artifacts“ zusammengestellt. Die Ranch kann man heute besichtigen – eine Mischung aus Safarigehege, Wanderpfad, kulturhistorischem Museum, historischem Gebäude und Streichelzoo.
Andrew hat sich extra freigenommen um mit uns auf die Ranch zu gehen, da seine Frau dort arbeitet war es sogar kostenlos und wir bekamen einige Räume zu sehen die sonst für die Öffentlichkeit gesperrt sind.

Oklahomas Natur ist schon etwas anders als bei uns in Deutschland. Zunächst einmal ist es gefühlt eine große, recht flache Grasfläche, auf der vor der Ankunft der Siedler riesige Bisonherden grasten – für Ackerbau eher ungeeignet, Rinderzucht ist möglich. Es ist sehr warm – im Sommer sind 45 Grad nicht ungewöhnlich, jetzt im Herbst waren es immernoch ziemlich heiße 35 Grad im Schnitt. Die Luftfeuchtigkeit ist oft recht hoch, was die Hitze besonders unangenehm macht. Es gibt recht viele Schlangen, einige davon auch giftig. Wasserschlangen gibt’s auch, man muss also beim Baden in Seen etwas aufpassen. Käfer, Spinnen und Eidechsen sind deutlich größer als bei uns. Neben den üblichen Waschbären und Eichhörnchen gibt es auch Stinktiere, Gürteltiere und Opossums.

Die großen Bisonherden, die einst die gesamten Great Plains der USA durchstreiften, wurden durch den Menschen fast ausgerottet. In der Nähe von Pawhuska (westlich von Bartlesville) gibt es das Schutzgebiet „Tall Grass Prarie“, in dem auf einer sehr großen Fläche die alte Prärie mitsamt den Bisonherden unter Schutz gestellt wurde. Ein kleiner Ausflug mit John führte uns dorthin und wir konnten die großen Bisons live sehen, allerdings mit gebührendem Abstand. So wie in Amerika üblich fährt man da natürlich mit dem Auto durch.

Oklahoma ist einer der letzten Bundesstaaten der USA der besiedelt wurde – es war ein Niemandsland, eine Einöde die niemand haben wollte. Erst im 20. Jahrhundert wurde Oklahoma überhaupt als Bundesstaat in die Union aufgenommen. Und eben jenes Land war es auch, in das man die ganzen Indianer aus den anderen Gebieten der USA vertrieben hat. „Das Gebiet will ja eh keiner, da können die lästigen Indianer hin“ (Stichwort: „Trail of Tears“). Und so findet man heute sehr viele Indianerstämme aus ganz unterschiedlichen Gebieten hier in Oklahoma nah beieinander. Und einmal wollte es das Schicksal dann doch noch gut mit den Indianern: gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand man Öl auf dem Land einiger Stämme. Und nun konnte man es den Indianern nicht mehr wegnehmen – einige Stämme (z.B. Osage Nation) wurden unglaublich reich.

Indianerstämme (im Englischen „Nation“ genannt) haben einige Autonomierechte – so haben sie eine komplett eigene Verwaltung, eigene Polizei, eigene Autokennzeichen und auch eigene Gesetze. So kommt es, dass viele Nations das Glücksspiel auf ihrem Territorium erlauben (in Oklahoma ist es eigentlich nicht erlaubt) und Casinos bauen – wodurch sie wiederum reich werden. Ergo sind einige Indianerstämme Oklahomas ziemlich reich geworden und geben diesen Reichtum an ihre Stammesmitglieder zurück. So betreiben sie kostenlose Universitäten, bezahlen dir Medikamente oder geben dir Geld für den Kauf deines ersten Hauses. Um Stammesmitglied zu sein muss man aber keineswegs ein „full blood“ Indian sein, es reicht wenn man irgendwo im Stammbaum einen Indianer hat und schon ist man bei all den Vergünstigungen dabei. John z.B. ist 30% Cherokee Indianer (ein Stamm der ursprünglich aus Georgia an der Ostküste kommt), Andrew ist mit 3,15% ebenfalls Cherokee.

Die Indianer darf man sich natürlich nicht als alte, dunkelhäutige Männer mit Federschmuck und Friedenspfeife vorstellen. Der Häuptling eines Indianerstammes sieht aus wie ein Businessman und das Hauptquartier ist auch kein Tipi sondern ein moderner Bürobau – schade eigentlich. Ganz ist die Tradition aber nicht vergessen: bei einem PowWow (Treffen aller Indianer eines Stammes) in Bartlesville konnten wir die traditionelle Kleidung, Musik und Tänze dann doch bestaunen.

Neben Sight Seeing konnten wir John auch noch bei einigen praktischen Dingen helfen: so haben wir viel im Garten gesäubert und beschnitten, mehrere Treppen, ein Tor und eine Gartenveranda repariert und ein neues Geländer gebaut, sowie Rasen getrimmt. Es war zwar ziemlich heiß, aber hat doch sehr viel Spaß gemacht ein bisschen was werkeln und im Garten arbeiten zu können – da wir zuhause ja in einer Mietwohnung wohnen, haben wir sowas schon lange nicht mehr gemacht.
Auch an unserem Iveco gab es etwas zu reparieren – wir haben die Fahrertür auseinandergenommen und die provisorische Plexiglasscheibe an den Scheibenheber angebracht, sodass man sie jetzt wie eine richtige Scheibe hoch- und runterkurbeln kann.

Wir hatten eine tolle Zeit bei John und konnten sozusagen „Urlaub vom Reisen“ machen. Jetzt geht es für uns weiter entlang der Route 66 durch Oklahoma über Tulsa, Oklahoma City und die „Texas Pan Handle“ Richtung New Mexico.

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