Iran Teil 3 – Ab durch die Wüste

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06.06.2018 – Wir fahren weiterhin durch karge, braune Landschaften, hinzu kommt eine Art Dunstschleier der alles einzuhüllen scheint und selbst Bergketten in 10km Entfernung sind kaum mehr zu erkennen.Dazwischen erheben sich verlassene Karawansereien und Gebilde – die langsam mit der Zeit wieder zu Staub zerfallen.

Auch der alte Stadtkern von Yazd scheint eben dieser Landschaft entsprungen. Die traditionellen Wohnhäuser sind aus Lehmziegeln errichtet und mit einem Lehm-Strohgemisch überputzt. Alles scheint aus einem Material angefertigt zu sein, selbst die Tischtennisplatte auf dem Spielplatz ist aus Lehm. Die Gassen sind wie ausgestorben, aber das verwundert nicht bei dieser unerträglichen Hitze. Da wir beide gesundheitlich leicht angeschlagen sind, bewegen wir uns nur langsam in den schmalen Häuserschatten und versuchen im kühlen Innenhof der Touristen-Bibliothek unsere Energie mit kalter Limonade wieder aufzuladen. Die Hitze ist hier alltäglich und so kam es in der Stadt zum Bau von Windtürmen: diese Türme ragen über die Wohnhäuser und sind mit ihren langen Schlitzen in Windrichtung ausgerichtet. Fährt der Wind über die Stadt leiten die Türme diesen bis in die Wohnbereiche hinein – eine Art frühe Klimaanlage.

Einen bunten Tupfer erhält die Innenstadt durch die Jawe Moschee – die besonders durch ihre hohen Türme am Eingangsportal auffällt. Auch der etwas außerhalb des Kerns gelegene Amir Chaqmaq Platz ist durch ein reich verziertes Gebäude an einer Seite geschmückt. Dieses Bauwerk mit seinen großen Bögen dient als Zuschauertribüne für die hier jährlich stattfindenden Festspiele.

Bis auf den Stadtkern ist die Stadt jedoch eine normale, quirlige Großstadt mit einem bunten Gemisch an mehr oder weniger modernen Häusern. Mitten drin liegt ein Zoroastrischer Feuertempel – eine Andachtsstätte der Zoroastrier, welche einst die Hauptreligion in dieser Gegend war, jedoch vom Islam verdrängt wurde. Wir schauten uns das Gebäude nur von außen an und konnten eine schwache Rauchfahne des immer brennenden Feuers im Inneren erkennen. Am Stadtrand gelegen besuchten wir die alten Grabstätten der Zoroastrier: Schweigetürme. Bis in die 1960er Jahre wurden die Toten hier auf eine Plattform gelegt und von Tieren, Wind und Wetter zersetzt – so lang bis nur noch die Knochen da waren. Doch aus hygienischen Gründen wurde diese Bestattungsart verboten und die Türme sind heute nur noch Zeugen der Vergangenheit.

Von Yazd bewegten wir uns weiter Richtung Nord-Osten, die Durchquerung der Kavir Wüste (Dasht-e-Kavir) steht bevor. Wir stoßen nach einer Offroad-Piste mitten im Nichts auf den Chack Chack Feuertempel – wieder eine Gebetsstätte des Zoroastrismus, doch dieser Ort ist mehr eine Art Wallfahrtsstätte.

An einem Hang gelegen liegen in mehreren Ebenen verschiedene Gebäude, die meisten sind halb offen und werden als Versammlungsraum genutzt – doch zu unserem Besuch ist Alles leer und verwaist. Das Herz der Anlage liegt hinter zwei goldenen Flügeltüren: Vom Felsen der als Decke dient tropft stetig Wasser (man denke, ringsum ist alles Wüste), an der Wand steht ein silbernes Gebilde in dem 3 kleine Flammen unruhig brennen. Der Raum ist recht klein, im Anschluss befindet sich noch ein weiterer Raum in welchem die Geschichte dieses Berges beschrieben steht – doch uns fehlt die Erläuterung was diesen Glauben eigentlich ausmacht und wir verlassen diesen Ort etwas unzufrieden.

Zurück auf der Asphaltstraße gelangen wir nach Kharanaq, einem kleinen Ort an der Straße mit einem aufgegebenen Adobe-Viertel. Die Gebäude schienen einfach dem Wetter preisgegeben und waren mehr oder weniger zerfallen. Doch es war spannend durch das Gewirr der schmalen Gassen zu ziehen – man musste nur auf den Weg achten um wieder hinaus zu finden. Wir dachten wir seien die Einzigen, doch mitten im Gassengewirr trafen wir eine deutsche Touri-Gruppe.

Am Wegesrand treffen wir noch auf eine gut erhaltene, aber nicht mehr genutzte Karawanserei und eine danebenliegende Burg. Wir vermuten, dass die weiße glitzernde Fläche daneben einst ein See war, doch mit dem Versiegen dieser Lebensgrundlage zogen die Bewohner weiter und überließen die Anlagen ihrem Schicksal.

Offroadfahren: es ist herrlich auf abwegigen Pfaden ein Land zu bereisen und vor allem finden sich so viel mehr und schönere Stellen zum Übernachten. Allerdings geht wenn, dann meist genau auf diesen Strecken etwas kaputt. So war es auch als wir an einem Morgen von einer Piste wieder auf die Asphaltstraße abbogen: wir hörten ein merkwürdiges Klackern beim rechten Vorderrad. Thomas erkannte schnell, dass es sich um ein Schutzblech bei der Bremsscheibe handelte und versuchte dieses mit Draht zu befestigen, doch als wir weiter fuhren dauerte es nur wenige Momente und es fing wieder an. So konnten wir nicht weiterfahren und hielten wieder am Straßenrand. Nach kurzer Zeit hielten plötzlich zwei LKWs neben uns und die Männer sprangen raus und gesellten sich zu Thomas unters Auto. Zwar konnten sie kein Englisch, verstanden aber etwas von Autos und begriffen schnell das Problem. Einer der Trucks fuhr weiter, doch schenkte uns zuvor noch eine große Melone, die Anderen blieben und als sie das Blech nicht reparieren konnten machten sie es eben ab. Wir waren beide überwältigt von dieser Hilfsbereitschaft – drei uns wildfremde Männer verbrachten einfach mehrere Stunden damit uns zu helfen und erwarteten keine Gegenleistung. Iran, deine Menschen sind einfach toll.

Mitten in der Wüste liegt die Stadt Tabas, die einen ganz besonderen Schatz hütet: Wasser. In einem ausgeklügelten Kanalsystem wird das Wasser von weit Weg bis in die Stadt geführt und hier zunächst in einem Garten zur Schau gestellt. Im Golshan Garten grünt und blüht es in großer Fülle und das Wasser fließt in offenen Kanälen entlang der Wege. Die großen Bäume und Palmen schenken Schatten vor der gleißenden Sonne, das Rauschen des Wassers erfüllt die Luft und belebt die müden Geister.

Wir haben noch nicht genug vom Wasser und suchen nach einer Oase in der Wüste, die auf der iOverlander-App beschrieben war. Und tatsächlich, versteckt in einem Tal abseits der Asphaltstraße stoßen wir auf einen sprudelnden Wasserfall. Kein kleines Rinnsal – nein, ein dicker, fetter Wasserfall, mitten in der erbarmungslosen Hitze der Wüste. Kommt einem fast wie ein Wunder vor. Dank einer Leiter konnten wir auch noch ein wenig dem Bachlauf in die schmale Schlucht folgen und fanden einen weiteren Wasserfall, der von Fels halb umschlossen eine private Badestelle bot. So konnten wir selbst im Iran eine Dusche unter dem Wasserfall genießen.

Das Turkmenistanvisum treibt uns mal wieder voran: da wir uns unklar sind wie die kommenden Feiertage sich auf die Öffnungszeiten der Botschaft auswirken, wollen wir lieber am letzten regulären Arbeitstag in Mashad erscheinen. Wir hatten bereits vor ein paar Tagen per Telefon eine Bearbeitungsnummer („IT-Nummer“) erhalten, die man zum Abholen braucht, jedoch hatte man uns noch nicht sagen können ob das Visum genehmigt ist und ob wir es abholen konnten. Wir fuhren also mit etwas Ungewissheit weitere 500km bis nach Mashad. Die Botschaft ist für turkmenische Verhältnisse erstaunlich gut ausgestattet: vor der Luke in der Wand gibt es einen gläsernen Vorbau mit Stühlen und einem wackeligen Tisch. Zunächst müssen wir nochmals ein Formular ausfüllen und Passfotos abgeben – genau wie in Teheran: die Unterlagen wurden also nicht wirklich verarbeitet oder weitergeleitet. Dann müssen wir nur noch 55 USD p.P direkt vor Ort bezahlen und die Pässe abgeben – das Visum sei schon am Nachmittag für uns bereit: wir sind hoch erfreut, dass es am Ende dann doch so problemlos funktioniert.

Mashad ist mit eine der heiligsten Städte des Iran, da sie, genau wie das zuvor besuchte Qom, ein großes Heiligtum beherbergt: das Mausoleum des 8. Imam. In der Stadt macht sich das religiöse Heiligtum vor allem beim Aussehen der Frauen bemerkbar: alle tragen sie schwarze Kleidung und sind mehr verhüllt, als in den weltlicheren Städten. Im Islam gibt es 12 Imame, der 8. wird hier so verehrt, da dessen Gebeine die einzigen auf iranischem Boden sind.

Auch hier dürfen wir nur mit Begleitung das Gelände betreten und Franzi bekommt wieder einen tollen Gardinenumhang – immerhin hält der Dank Gummizug von selbst auf dem Kopf. Wir werden durch die verschiedenen Höfe geführt in denen schon die Vorbereitungen für den kommenden Feiertag laufen (Todestag Imam Ali) – zu welchem tausende Gläubige erwartet werden. Da diese nicht alle in die Innenbereiche passen werden sämtliche Höfe mit Teppich ausgelegt – an den Orten wo wir nicht dran vorbei kommen müssen wir Barfuß hinüberlaufen. In einem verspiegelten Festsaal – dem Touristenbüro, bekamen wir ein Einführungsvideo über die Anlage vorgespielt, welches erstaunlich sachlich war. Danach gab es für jeden eine Orangenlimo und ein eingeschweißtes Hörnchen (man bedenke es ist immer noch Ramadan), sowie eine schicke Broschüre über die Anlage.

In das Zentrum des Allerheiligsten – die Grabkammer des 8. Imam – dürfen wir Nicht-Muslime leider nicht gehen, doch konnten wir zwei der ehemaligen Umhausungen im inbegriffenen Museum anschauen. Das Museum hatte zudem noch Teile der weiteren Vorgängerbauten – zur Zeit ist die 5. Umhausung in Benutzung – diese wurde nach einem Anschlag und vor allem nach der Revolution erbaut. Daneben hängen noch ein paar zusammenhanglose Gemälde und ein kleiner maritimer Bereich rundet die merkwürdige Ausstellung ab.

Zurück an der Botschaft erhalten wir ohne Zeitverzögerung unsere Pässe zurück, uns wurden 5 Tage gewährt um das Land zu durchreisen.

Unsere Art außerhalb von menschlichen Ansiedlungen zu parken kann anscheinend nicht Jeder nachvollziehen. So hielt ein älterer Herr neben uns auf einem Feldweg und war ganz entsetzt darüber, dass wir hier nächtigen wollen – angeblich gäbe es ja einen Dieb in der Nähe. Schnell schenkte er uns eine Dose mit eingelegten Birnen und versprach bald wieder da zu sein, um uns zu einem sicheren Platz zu geleiten. Zu unserem Leid kam er tatsächlich nach einer halben Stunde wieder und war immer noch fest davon überzeugt, er wüsste einen besseren Platz. Von zu Hause hatte er uns noch einen Beutel mit frischen Eiern und einen Eimer mit Suppe mitgebracht. Da er ja eigentlich super nett war und wir ihn sonst vermutlich nicht losgeworden wären, folgten wir ihm durch die Dunkelheit – doch sein sicherer Platz war einfach ein Kiesstreifen an der Hauptverbindungsroute: hier würden wir niemals freiwillig übernachten – aber wie sollten wir ihm das erklären? Daher stellten wir unseren Motor ab, warteten 10min und kehrten dann wieder um, jedoch an einen anderen Platz. Kurz darauf klopfte die Polizei am Fenster – na super, doch nach einer kurzen Passkontrolle war alles ok und wir kochten uns die geschenkte Suppe auf – sehr lecker.

Da wir noch zu viele Tage für zu wenig Sehenswürdigkeiten im Iran hatten, machten wir nochmal einen Abstecher in die Berge. Doch wie das ebenso ist, am Anfang einer Bergpiste weiß man nicht, wie ihr Ende aussieht und so fanden wir uns kurze Zeit drauf beim Zuschaufeln von Auswaschungen auf dem Weg wieder. Wir schafften es schließlich auf den Bergrücken nur um festzustellen, dass hier eine wesentlich bessere Piste verläuft – naja, die bleibt uns dann ja für den Rückweg. Unweit liegt das Bergdorf Kang, dessen Häuser sich eng an einen Berg schmiegen. Die Anfahrt zum Dorf scheint eine einzige Picknickgelegenheit zu sein: durch einen Bach und große Bäume ist es angenehm kühl im Tal und an jeder Ecke gibt es Restaurants die kleine Freisitze anbieten.

Wir wollen zum nächsten Tal – dies ist nur 50km Luftlinie entfernt, doch wir fahren weit über 100km Strecke. Grund sind die absolut unverständlichen Straßenplanungen im Iran. Da gibt es Autobahnauffahrten in nur eine Richtung und die nächste Wendemöglichkeit ist entweder mehrere Kilometer entfernt, oder zu niedrig für unser Auto. Genervt kommen wir schließlich in der gewünschten Schlucht an, doch anstatt dass es ein einsames Stück Natur ist, hat sich das gesamte Dorf auf Tourismus spezialisiert: alle wollen sie einem einen Parkplatz anbieten – Leute laufen wild durch die engen Gassen, als es uns zu bunt wird und wir umkehren wollen umkreisen uns noch zwei Jungen auf ihren Eseln – was für ein Chaos. Schließlich parken wir einfach in einem Nebental und bleiben unter uns.

In Quchan, der letzten größeren Stadt vor der Grenze, wollten wir eigentlich nur Briefmarken kaufen – aber die Post hatte an diesem Tag schon 12 Uhr geschlossen und die eigentlich gerade vergangenen Feiertage für sich verschoben und ein langes Wochenende begonnen. Noch hatten wir nicht aufgegeben und versuchten unser Glück in den einzigen beiden Hotels der Stadt – doch man mag es kaum glauben: die Hotelangestellten wussten nicht was eine Postkarte ist. Natürlich sprachen Sie kein Englisch und so zeigten wir ihnen einfach die Karten und deuteten auf das leere Feld für die Briefmarken – aber sie schienen diese Art der Kommunikation noch nie gesehen zu haben – Pech für uns, so müssen wir die Karten mit ins nächste Land nehmen in dem es wieder Briefmarken gibt.

Auf den letzten Kilometern zur Turkmenischen Grenze verlässt uns dann auch im Iran die gute Asphaltstraße – aber immerhin gibt es im Grenzort einen kleinen Park, der wohl öfters den Wartenden zur Übernachtung dient. Hier treffen wir auf Steffi und Simon – die Beiden reisen schon seit 10 Montane per Anhalter von Deutschland aus durch die Welt: wir sind beeindruckt und verabreden uns für den nächsten Morgen – gemeinsam wollen wir nach Turkmenistan, dem wohl schwierigsten Land auf unserer Reise einreisen.

Der letzte Morgen im Iran war wieder sonnig und kurz nach 8 Uhr ging das kleine Grenztheater mal abermals los. Zunächst muss Thomas als Fahrer seinen Pass sowie den Carne de Passage vorzeigen – dieser wird im Computer erfasst und wir erhalten einen Zettel für die nächste Station. Diese erscheint nach 2km und wir scheinen mit zu den ersten Grenzgängern des Tages zu gehören, da der Beamte für die Fahrzeuge erst noch kommen muss. In einem riesigen Buch wird unser Auto handschriftlich(!) erfasst – und der Carne gestempelt. Schließlich dürfen wir mit dem Auto durch die Schranke fahren, müssen jedoch wieder zurücklaufen – auch wir brauchen noch einen Stempel im Pass. Nach dem Stempel folgt eine weitere Passkontrolle und wir können das Auto holen – doch das steht jetzt auf der anderen Zaunseite (vermutlich Einreise) und wir müssen an einem kleinen Polizeihäuschen unsere Pässe hiterlegen, um die 5m bis zum Auto laufen zu dürfen. Ein letzter Blick des Beamten in das Fahrzeug und wir stehen an der Grenze von Turkmenistan: hier grüßt uns schon der Präsident/Diktator mit seinem perfekten Lächeln als riesiges Bild von der Marmorfassade – wir sind gespannt was da wohl auf uns zukommt.

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