Oklahoma und Texas – unterwegs auf der Route 66

27.09.2017 – Aus Bartlesville fuhren wir Richtung Süden nach Tulsa. Die Stadt erblühte von einem kleinen Handelsposten zu einer Großstadt Anfang des 20 Jahrhunderts durch nahegelegene Ölfunde. Wir begannen unsere Stadtrunde beim „Center of the Universe“ einem akustischen Phänomen mitten in der Stadt. Auf einer Fußgängerbrücke markiert ein kleiner Steinkreis jenen Ort, dessen Geheimnis bis heute noch nicht gelöst wurde. Stellt man sich genau in die Mitte hört mein seine eigene Stimme um ein Vielfaches verstärkt – Außenstehende hören die Stimme jedoch in normaler Lautstärke. Hat sicherlich was mit der Anordnung der umgebenden Mauer zu tun – auf jedenfalls recht lustig anzuhören.

In einem An- und Verkauf suchten wir nach einem neuen Akkubohrer (als Ersatz für den den man uns geklaut hat), werden jedoch nicht fündig. Der Laden war gefühlt auch eher ein Antikladen und die Werkzeuge aus dem letzten Jahrhundert.
In Tulsa gibt es ein Hochhaus – das Williams Center – welches von Minoru Yamasaki 1972-1977 erbaut wurde. Auffallend ist die Ähnlichkeit zu den von Yamasaki erbauten „Twin Towers“ – World Trade Center, New York. Ansonsten fiel uns vor allem die freien Flächen für Parkplätze in der Innenstadt auf. Im Blue Dome – sowie im Greenwood District gibt es ein paar Restaurants, Bars und Shoppingmöglichkeiten, wir treffen auf ein paar Menschen. Ansonsten ist es vielleicht den heißen Temperaturen geschuldet, dass die Stadt eher ausgestorben wirkt.

Die einzige uns bekannte berühmte Persönlichkeit aus Tulsa ist Woody Guthrie mit seinem typisch-amerikanischen Lied „This land is your land“. Ihm zu Ehren gibt es einen Park, ein Center sowie ein Wandgemälde.

Die direkte Route über die I44 ist kostenpflichtig und so entschieden wir uns die etwas längere Verbindung zu fahren, dafür aber einen Zwischenstopp am Keystone Lake einzulegen. Es war mal wieder über 30 Grad Celsius warm: Bade – und Im-Schatten-sitzen-Wetter.  In der Nähe liegt der Keystone Dam und ein durch den Army Corps of Engineering verwaltetes Gelände, auf dem man einfach nach Herzenslust Offroad fahren kann. Natürlich ließen wir uns das nicht entgehen, hielten uns aber fern von den großen Schlammpfützen (jemand der uns am Lake angesprochen hatte, hatte uns vor diesen gewarnt). Zurecht, ein Jeep hatte sich gerade demonstrativ vor uns in einer solchen Schlammgrube eingegraben und kam nur mit Hilfe seiner Winde wieder heraus.

Die nächste Stadt ist Oklahoma City, doch wie auch in Tulsa war hier nicht sehr viel zu erleben. Wir liefen einmal durch den Stadtkern bis zum Oklahoma City Memorial, welches dem Anschlag auf ein Regierungsgebäude und dessen Opfern von 1995 gewidmet ist. Eine besonders schöne Gegend spannt sich entlang des innerstädtischen Kanals. Wir spazierten an diesem von seinem Beginn in der Stadt bis zum Centennial Land Run Monument. Der „Land Run“ war ein historischer Tag an welchem um 12Uhr am Mittag des 22. April 1889 der Startschuss fiel das Land Oklahoma zu besiedeln. Nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt malt zuerst“ gehörte das Land demjenigen, der es als Erster beanspruchte. Natürlich hielten sich nicht alle an die Startzeit sondern gingen schon in der Nacht los um das beste Stück Land zu ergattern – die sogenannten „Sooners“ haben sich bis heute namentlich gehalten: beim Collegefootball als Teamname der „Oklahoma Sooners“.

Stockyards City liegt südlich des North Canadian River und ist eine kleine Stadt für sich in Oklahoma City. Kälber und Mastvieh werden hier Montags und Dienstags in die Stadt gefahren, um im Auktionshaus den Besitzer zu wechseln. Daneben gibt es unter Anderem Läden die den Cowboy von heute mit allem nötigen ausstatten, angefangen bei den Stiefeln bis hin zum passenden Hut.

Weiter geht es auf der Route 66 nach Elk City. Hier haben wir zwar leider keine Elche gesehen, dafür den National Route 66 Museums Komplex besucht. Für 5$ kann man sich hier 5 kleine, aber liebevoll eingerichtete Museen anschauen: National Route 66 Museum, National Transport Museum, Old Town Museum, Farm & Ranch Museum sowie das Blacksmith Museum. Diese sind in historischen Gebäuden untergebracht, die zusammen mit weiteren Gebäuden eine Art historisches Freiluftmuseum darstellen. Nach diesem Besuch wissen wir jetzt um die Anfänge der amerikanischen Mobilität, dem Auf- und Abstieg der Route 66, wie die Menschen zur Pionierzeit im 19. Jahrhundert gelebt haben, wie Gerätschaften zum Baumwollpflücken aussehen und so vieles Mehr.

Das Wetter zeigte sich tatsächlich einmal etwas herbstlich: unter 20 Grad und regnerisch, so entschieden wir uns dazu am Elk City Reservoir einen halben Pausentag einzulegen. Am Abend füllten sich die Camperplätze neben uns (es gab 5 kostenlose) und wir kamen ins Gespräch mit einem netten älteren Ehepaar. Diese waren seit 5 Monaten unterwegs mit ihren 2 Katzen, einem Hund und einem riesigen Wohnmobil-Reisebus samt Jeep auf Anhänger. Die Beiden waren echte Goldsucher die mit ihren Gerätschaften kleine Bäche in den Bergen durchwühlten: was für ein wahrhaft amerikanischer Weg seinen Lebensunterhalt zu verdienen. 40-60 Dollar machen sie pro Tag – wird man wohl nicht reich, aber bestimmt eine lustige Beschäftigung bei der man nebenbei reisen kann (nein, wir fangen nicht damit an).

Die Stadt Erick in Oklahoma liegt an der ehemaligen Route 66 kurz vor der Grenze zu Texas und zählt heute nur noch knapp über 1000 Einwohner. Neben zerfallenen Häusern gibt es eigentlich nicht viel zu sehen wäre da nicht das „Redneck Capitol of the world“ – Harley Annabelle (findet man auf Facebook) hat hier einem ehemaligen Laden voller original Andenken an die glorreichen Tage der Route 66. So z.B. auch das erste Straßenzeichen aus Oklahoma. Er empfing uns herzlich, obwohl er vermutlich sonst eher von Leuten besucht wird die Ihn als Ikone kennen, wir sind eher nur durch Zufall in die Stadt und in seinen Laden gestolpert. Auf jeden Fall ist Harley´s Sammlung einen Besuch wert. Erick ist wohl ein Paradebeispiel wie eine Stadt aufblühte durch die vielen Reisenden entlang der Route 66 – aber seit diese durch einen weiter von der Stadt entfernten Interstate Highway (sowas wie unsere Autobahn – also ohne Ampeln und begrenzten Auffahrten) ersetzt wurde – kommt niemand mehr durch die Stadt – die ganzen Restaurants, Tankstellen, Autowerkstätten und Co. werden nicht mehr gebraucht und wie die Stadt erblühte, so geht sie auch wieder ein. Filmtipp: der Disney-Film „Cars“ handelt von genau dieser Situation.

Auf unserer Route queren wir nur ein Bruchstück von Texas, das sogenannte Panhandle Gebiet. Die Landschaft wird deutlich öder. Weite Flächen sind nur mit flachen Büschen bewachsen und trockenem gelbem Gras. Dazwischen leuchtet ab und an rote Erde hindurch. Zu diesem Farbspiel gesellt sich der graue Asphalt unter unseren Reifen und der regenwolkenverhangene Himmel über uns. In Texas besuchen wir Amarillo. Auf dem herausgeputzten Stück Route 66 durch die Stadt versuchen wir unser Glück in einem Antiquitätenladen: wir sind auf der Suche nach einem Route 66 Straßenschild. Es gibt zwar diverse Schilder, vom Autokennzeichen bis zur Tankstelle, aber nicht das passende für uns und vor allem sind die Preise mehr als verrückt (über 1000$ für ein altes Tankstellenschild). Der wahre Touristenmagnet liegt jedoch vor der Stadt: die Cadillac Ranch. 1974 wurden hier von einer Künstlergruppe 10 Cadillacs mit der vorderen Hälfte in einer Reihe und leicht schräg stehend in einem Feld eingegraben. Der Besucher darf eine Spraydose mitbringen und die Auto besprühen. Uns präsentierten sich die Autos in einem recht desolaten Zustand. Ca. 150m muss man über einen ausgetreten Pfad auf ein Feld hinein laufen. Die Autos selbst waren durch die Regenfälle von einer großen matschigen Pfütze umgeben. Da Besucher die Autos so nicht erreichen konnten, sprühten sie einfach die umgebende Erde oder die umliegenden Heuballen mit Spraydosen an. Die Autos an sich dürfen besprüht werden, dass die Natur als Ersatz diente fanden wir sehr beschämend. Aber dem noch nicht genug, die leeren Spraydosen wurden einfach liegen gelassen. Was wohl einst als grandiose Kunstinstallation angedacht war, ist heute vielmehr ein Spiegel der verfallenden Route 66 und ihrer Sehenswürdigkeiten. Ein solcher Verfall gipfelt wohl darin, wenn ganze Ansiedlungen oder gar Dörfer keine Bewohner mehr beherbergen und nur noch eine Geisterstadt zurückbleibt. Dieses Phänomen ist gleichsam traurig und faszinierend für uns und so besuchten wir Glenrio, ein Dorf direkt auf der Grenze zwischen Texas und New Mexico – welches durch den Wegfall der Route 66 in die Bedeutungslosigkeit überging.

Und so fuhren wir innerhalb eines Tages durch Texas, als nächstes erwartet uns New Mexico: hier hoffen wir wieder auf warmes und sonniges Wetter (es regnet immernoch) sowie einen Wechsel in der Natur – Berge.

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